Ernährung und Gesundheit kontrovers

Dipl. oec. troph. Ulrike Gonder

Kokosöl – mal wieder in der Kritik

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In jüngster Zeit häufen sich wieder einmal kritische Artikel über Kokosöl, ausgelöst durch ein Statement der amerikanischen Herzgesellschaft AHA (Sacks, 2017). Die AHA ist der festen Überzeugung, dass gesättigte Fettsäuren durch ungesättigte ersetzt werden sollen, um den Cholesterinspiegel und damit auch das Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten zu senken. Aus diesem Grund sollen nach Ansicht der AHA Lebensmittel, die viele gesättigte Fettsäuren enthalten, am besten vermieden werden. In dem AHA-Statement heißt es: „…weil Kokosöl das LDL-Cholesterin erhöht, …, raten wir von seinem Gebrauch ab.“ In den Medien häuften sich darauf hin Meldungen, wonach Kokosöl ungesund sei.  Das aktuelle AHA-Statement enthält jedoch keinerlei neue Erkenntnisse!

Kokosöl: So „ungesund“ wie Butter und Schweineschmalz?

Die AHA hebt hervor, dass Kokosöl mehr gesättigte Fettsäuren enthalte als z. B. Butter und Schweineschmalz. Ja klar, dass wissen wir seit hundert Jahren: Mit einem Gehalt von mehr als 90 % ist Kokosöl sehr reich an gesättigten Fettsäuren und übertrifft dabei Butterfett (ca. 60 %) und Schweineschmalz (ca. 40 %). Das lässt sich jeder gewöhnlichen Nährwerttabelle entnehmen. Nur: Daraus lässt sich eben NICHT ableiten, dass es ungesund wäre. Doch genau auf dieser überholten Einstellung reitet das AHA-Statement herum – und erstaunlich viele springen auf diesen Zug auf und sind plötzlich „schockiert“.

Vielleicht sind es dieselben Leute, die zuvor das Kokosöl als „Wundermittel“ gehypt haben.

Das ist natürlich auch höherer Blödsinn! Kein einzelnes Lebensmittel kann Wunder bewirken oder den Menschen gesund oder krank machen, es ist immer die gesamte Ernährung, das individuelle Risikoprofil, die langfristig gepflegte Lebensweise. Eine aktuelle Zusammenfassung der wissenschaftlichen Evidenz zu Herz- und Gefäßerkrankungen fand denn auch, dass Kokosöl im Kontext traditioneller (tropischer) Ernährungsweisen kein Risiko darstellt (Eyres, 2016). (Leider stimmen auch diese Autoren anschließend das alte Lied „gesättigte Fettsäuren erhöhen das LDL und machen daher Herzinfarkt“ an.) Für westliche Länder gibt es aber praktisch keine Daten über natives Kokosöl und die Herzgesundheit. Insofern darf es natürlich auch nicht als Herzschutz gehypt werden. Unsinn! Man nimmt vom Kokosölessen auch nicht automatisch ab – Leute, auf welchem Planeten lebt Ihr?

Natürlich sinkt der Cholesterinspiegel, wenn Kokosöl durch ungesättigte Fettsäurequellen wie Oliven- oder Rapsöl ersetzt wird. Das ist aufgrund der Fettsäurezusammensetzung schlicht zu erwarten (Mensink, 2003). Ob dadurch auch das Herzinfarktrisiko sinkt, ist aber NICHT gesagt. Darauf weisen in jüngster Zeit im mehr Wissenschaftler hin (z. B. Harcombe, 2016, Chowdhury, 2014, Siri-Tarino, 2010, Teicholz, 2015, Malhotra 2017).

Also noch einmal: Es gibt keine Belege dafür, dass Kokosöl dem Herzen schadet – ebenso wenig wie dafür, dass Butter oder Schweineschmalz per se „ungesund“ wären. Auch Kokosöl sollte immer Teil einer insgesamt ausgewogenen, individuell angepassten Ernährung sein. Und es sollte nie das einzige Fett in der Küche sein, eben weil es durch Lebensmittel mit ungesättigten Fettsäuren ergänzt werden muss.

Natives Bio-Kokosöl ist ein hochwertiges, gut hitzebeständiges Fett mit besonderen Eigenschaften. Es kann keine Wunder bewirken, aber Teil einer gesundheitsförderlichen Ernährung sein, auch bei bestimmten Erkrankungen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Autor: Ulrike Gonder

Diplom Oecotrophologin, Freie Wissenschaftsjournalistin, neugierig, kritisch, undogmatisch

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