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Fernsehköche kochen zu fett – Na und?

Fettarm-Dogma muss überdacht werden

Eine britische Studie (BMJ 2012; 345 doi: http://dx.doi.org/10.1136/bmj.e7607 vom 17.12.12) verglich 100 Rezepte aus den Kochbüchern diverser Fernsehköche mit 100 Fertiggerichten aus dem Supermarkt. Man berechnete den Fettgehalt, den Anteil ungesättigter Fettsäuren, die Menge an Salz, Zucker, Ballaststoffen und die Kalorien. Das Ergebnis wurde online publiziert und sogleich von der Presse und etlichen Ernährungsberatern aufgegriffen. Beispielsweise titelte Spiegel online: „Rezepte von Jamie Oliver und Co.: Ungesünder als Fertigmahlzeiten.“

Die Fertiggerichte hatten der Studie zufolge besser abgeschnitten, weil die Rezepte der Köche süßer und fettiger, eiweißreicher, energiehaltiger und ballaststoffärmer als die Produkte der Supermärkte waren. An Kalorien seien bis zu 774 pro Kochgericht zusammengekommen, bei den Fertigprodukten jedoch nur 546. Der Fettanteil betrug bei Fertigessen nur 24 Prozent der Kalorien, bei den echten Mahlzeiten lag er bei bis zu 40 Prozent. Auch der Anteil der – angeblich ungesunden – gesättigten Fettsäuren war bei den Köcherezepten höher.

Der Spiegel zitiert eine Vertreterin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) mit folgendem Vorschlag: Man könne die Rezepte der Köche ja variieren und statt Butter „wenigstens“ Speiseöl nehmen, um die gesättigten Fettsäuren zu meiden. Statt Öl und Essig könne Zitronensaft für Salatdressings verwendet werden.

Mein Senf dazu

Armes Deutschland (und Großbritannien)! Das ist mal wieder eine Meldung nach dem Geschmack der Fett-Phobiker! Absurd, dass so ein Quatsch aufgegriffen und ernsthaft kommentiert wird. 750 Kilokalorien pro Mahlzeit sind für einen Erwachsenen völlig normal! Und warum sollen wir (noch) fettarm essen? Warum die Butter und die gesättigten Fettsäuren weiter diskriminieren. Wissenschaftlich ist das alles Schnee von (vor)gestern. Gerade brachte Prof. Acheson, ein für Nestlé forschender Wissenschaftler, im European Journal of Clinical Nutrition (2012, doi:10.1038/ejcn.2012.194) die Tollheiten der etablierten Ernährungsempfehlungen auf den Punkt und kommt zu folgendem Schluss: Angesichts der wachsenden Evidenz für die Vorteile kohlenhydratreduzierter und proteinbetonter Kostformen sei doch anzunehmen, dass solche Diäten besser für eine optimale Ernährung geeignet seien als die üblicherweise immer noch empfohlenen Kohlenhydratreichen Diäten.

Gut, dass sich endlich auch die Lebensmittelindustrie vom Fettarm-ist-gesund-Dogma verabschiedet. Man darf zwar gespannt sein, was sie nun für „gesunde“ Produkte lancieren wird. Dennoch wird es höchste Zeit, umzudenken. Dass man den Fersehköchen vorwirft, zu fett zu kochen, ist bestenfalls albern. Gut, dass sie sich nicht an die Regeln der etablierten Ernährungspäpste halten.

Wie wichtig welches Fett für die Gesundheit ist und wie es um die gesättigten Fette steht, lässt sich unterhaltsam in meinem Buch „Mehr Fett!“ nachlesen, das ich zusammen mit Nicolai Worm geschrieben habe. Erschienen 2010 im systemed-Verlag.

Ulrike Gonder

Diplom Oecotrophologin, Freie Wissenschaftsjournalistin, neugierig, kritisch, undogmatisch

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Das finde ich auch schlimm! Fettphobiker können meinetwegen mit 1000 Kalorien am Tag leben, aber ohne mich!
    Das es mittlererweile fast alles auch als Lightprodukt gibt, finde ich echt erschreckend. Wenn man im Sommer ins Freibad geht sieht man einige Kinder die nur aus Haut und Knochen bestehen.

  2. Ja, das ist echt schlimm. Ich bin dafür, dass man auch mal auf sein Bauchgefühl hören sollte. Der Körper suggeriert einem, wenn er auch mal etwas fettiges haben möchte (braucht).

    Liebe Grüße

    Sarah

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