Ernährung und Gesundheit kontrovers

Dipl. oec. troph. Ulrike Gonder

22. Juni 2020
von Ulrike Gonder
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Gesättigte Fette: weg vom Nährstoff, hin zum Lebensmittel

Butterstück mit Rasierklinge

Lebensmittel, die reich an gesättigten Fettsäuren sind, wurden lange zu Unrecht diskriminiert

Lebensmittel, die reich an gesättigten Fettsäuren sind, wie Milchfett oder Kokosöl, werden aus diesem Grund oft als ungesund eingestuft. Sie sollen das „böse“ LDL-Cholesterin erhöhen und auf diesem Weg zu Herz- und Gefäßkrankheiten wie Arteriosklerose und Infarkt führen. Belastbare Belege gibt es dafür nicht. Dennoch halten viele Fachgesellschaften, so auch die deutsche Ernährungsgesellschaft, an einer Obergrenze für gesättigte Fettsäuren in Ihren Ernährungsempfehlungen für die Allgemeinheit fest. Jetzt kommt endlich Bewegungen den festgefahrenen Streit um die gesundheitliche Bewertung dieser Fettbausteine, endlich werden die gesättigten Fette weiter rehabilitiert: Ein wissenschaftliches Symposium brachte kürzlich renommierte Forscher zusammen, um die gesättigten Fettsäuren bzw. die Lebensmittel, die sie enthalten,  differenzierter zu betrachten. Die Schlüsse, die daraus gezogen wurden (Astrup, A et al., JACC in press), lassen aufhorchen. Sie sollten meines Erachtens auch in Deutschland Anlass zur Überarbeitung der Ernährungsempfehlungen geben. Weiterlesen →

12. Juni 2020
von Ulrike Gonder
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Neue Keto-Seminartermine

Seminar_Ulrike_GonderKetogene Ernährung – neue Seminartermine

In meinen Seminaren, Trainings und Schulungen geht es darum, wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Welt der Ernährung verständlich zu vermitteln und die praktische Umsetzung zu erleichtern. Damit bleiben Sie up-to-date und wissen, worauf es ankommt.

Highlights 2020

ab 1. Februar können sich interessierte Laien, Hobbyköche und Ernährungscoaches bei LCHF-Deutschland fortlaufend über gesunde Fette  informieren (s.u.): Kurs Fettes Wissen, Infos und Anmeldung hier.

 die Ketogene Ernährung, Tagesseminar für Ernährungsfachkräfte beim essteam in Hamburg finden bis auf Weiteres online statt. die nächsten Termine: 224. Juli und 17. Juli. Für Oktober 9. Oktober ist wieder einPräsensseminar geplant. Infos und Anmeldung bitte direkt beim essteam

am 27. und 28. November veranstalte ich zusammen mit den „Keto-Docs“ Karner aus Freiburg  unsere 2. Ärztefortbildung über ketogene Ernährung in unserer Keto-Akademie. Infos und Anmeldung hier.

→ Aktion läuft weiter: Gutschein über 50 Euro für Anmeldung zum LowCarb/LCHF/Keto-Coach der LCHF-Deutschland-Akademie. Nähere Infos hier.

20. April 2020
von Ulrike Gonder
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Online-Kongresse mit Beiträgen von mir

Da jetzt viele Kongresse online stattfinden, gibt es nun auch einige Beiträge von mir zur Ernährung in Krisenzeiten im Netz. Meist geht es um die Unterstützung des Immunsystems, u. a. durch gesunde  Fette:

Der Food-as-Medicine-Kongress von Dr. Jens Freese

und

Der Corona-Kongress unter Schirmherrschaft von Dr. Sabine Paul

Klickt doch mal rein, da gibt es viel zu lernen!

22. Januar 2020
von Ulrike Gonder
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Keto – richtig gesund

Keto - richtig gesund

erschienen am 6. März 2020,  bestellbar beim Verlag und im Online-Handel

Endlich!! Unser neues BuchKeto – richtig gesund ist fertig. Es ist am 6. März erschienen und kann online oder im Buchhandel bestellt werden.

Keto-Kochbücher gibt es ja viele, was also ist das Besondere an diesem Buch? Es beschreibt nicht nur kurz und verständlich die Wirkweise und die Anwendungsmöglichkeiten einer wohl formulierten, gesunden ketogenen Ernährung und enthält viele superleckere, einfache und schöne Rezepte. Es hat zudem zu allen darin beschriebenen Erkrankungen und Problemen von Abnehmen über Diabetes Typ 2, Krebs, Hautproblemen, neurologischen Leiden und Darmgesundheit eine extra Doppelseite mit spezifischen Infos und Tipps aus der ärztlichen Praxis und eine weitere Doppelseite mit praktischen Medizin-Tipps aus der Küche und dem Kräutergarten. Da ist dann beispielsweise zu lesen, welche keto-geeigneten Tees, Gewürze, Gemüse, Früchte oder Kräuter die Genesung zusätzlich zur ketogenen Ernährung  unterstützen. Ich glaube, diese Kombi ist einmalig.

23. Dezember 2019
von Ulrike Gonder
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Frohe Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr!

Werte Leser, Kunden, Freunde, Mitstreiterinnen und Kolleginnen,

wenn das Jahr sich zum Ende neigt, neigt der Mensch zu Rückschau und Ausblick. In der Rückschau war auch 2019 ein ereignisreiches und spannendes Jahr. Wie würde der Keto-Kompass, erschienen am 28.12.2018, beim Publikum ankommen? Was wir Autorinnen damals noch nicht wussten und worüber wir sehr froh sind: Prima kam – und kommt – er an. Danke an unsere Leserinnen und Leser und an alle, die unser Buch weiterempfohlen haben.

Würde „keto“ nur eine der vielen Diätmoden sein? Oder würde es gelingen, diese effektive Ernährungsweise so zu kommunizieren und zu etablieren, dass sie ihre segensreiche Wirkungen entfalten kann? Mein Eindruck ist: Es wird gelingen, auch wenn es noch vieles gerade zu rücken und zu erklären gibt. Optimistisch stimmt mich, dass viel zum Thema low-carb, healthy fat und keto geforscht wird, dass es auch bereits viele gute Artikel und Bücher darüber gibt. Freudig stimmt mich, dass ich zur Gründung einer entsprechenden Fachgesellschaft beitragen durfte (KetoMed, ich werde darüber berichten).

Außerordentlich fröhlich stimmt mich, dass ein weiteres Keto-Buch am 14. Januar in Druck geht (Keto – richtig gesund) und dass ich zusammen mit Dres. Brigitte und Wolfgang Karner, den KetoDocs“ aus Freiburg eine Ärztefortbildung konzipieren durfte, die mit 18 Fortbildungspunkten „ausgestattet“ ist und die erstmals am 14. und 15. Februar 2020 stattfinden soll (Infos und Anmeldung unter www.keto-akademie.de).

Das war der kurze Ausblick auf 2020, für das schon viele weitere Projekte und Aktionen geplant sind. Es bleibt also viel zu tun und darauf freue ich mich: Zusammen mit Ihnen/Euch anderen Menschen dabei zu helfen, den für sie richtigen Ernährungsweg zu finden – und dabei den Spaß am Essen nicht zu verlieren.

In diesem Sinne wünsche ich festliche Weihnachtstage
mit köstlichem Essen und netten Menschen und ein
prickelndes, gesundes neues Jahr!

25. November 2019
von Ulrike Gonder
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Himmel und Erde mit Blutwurst: schwere Kost Teil 3

Diesmal war ich mit dem ZDF und Achim Winter in Köln, wo „Himmel und Ääd“ wie auch bei uns in Hessen ein traditionelles Gericht ist. Darf man das essen? Wenn die Qualität stimmt und wenn man es nicht allzu häufig vertilgt. Und mögen muss man es natürlich auch …

19. November 2019
von Ulrike Gonder
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Martinsgans mit Achim – schwere Kost?

mit ZDF-Reporter Achim Winter in der Frankfurter Gerbermühle zum Gansessen

Am 11.11. pünktlich zum – nein nicht Fasching – Martinstag wurde im ZDF in der Sendung Hallo Deutschland der zweite Teil einer kleinen Serie „Schwere Kost“ gesendet, für den ich mit Achim Winter Martinsgans in der Frankfurter Gerbermühle speisen und kommentieren durfte . Zum „Nachsehen“ einfach auf das Bild klicken. Viel Spaß!

 

Den ersten Teil der „Schweren Kost“ – Saumagen im Deidesheimer Hof in Deidesheim – gab es am 23.9. in Hallo Deutschland zu sehen.

mit Achim Winter vor dem Deidesheimer Hof zum Saumagenessen

 

Wer den Beitrag sehen möchte, klickt auf das Bild.

 

Im dritten Teil geht es um „Himmel un Ääd“, eines meiner Lieblingsgerichte. Er kommt voraussichtlich am 25.11.

31. August 2019
von Ulrike Gonder
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Jubiläumsartikel 1994 – 2019

Zu meinem silbernen Freelancer-Jubiläum möchte ich hier in Auszügen Artikel aus 25 Jahren Ernährungsjournalismus posten. Über manches aus den Anfängen muss ich heute schmunzeln, manches sehe ich heute anders. Doch zu vielem kann ich auch heute noch stehen. Und manch ein Aspekt aus meinen Artikeln ist heute noch so aktuell, dass er in neuen Büchern als Hot Topic durchgeht (z. B. auf seinen Appetit zu hören und nicht dauernd Diäten zu machen in „Der Körpernavigator“ von Uwe Knop oder das wir die Fette mehr lieben sollten in „Ran an das Fett!“ von Dr. Anne Fleck).

Hier geht es zu meiner „Jubiläumsreihe“:

31. August: Die Weisheit des Körpers

28. August: Das Karriere-Kochbuch – Dick im Geschäft (2011)

26. August: Dick durch Limo, Cola & Co.? (2011)

22. August: Dem Diabetes genussvoll den Schrecken nehmen (2010)

20. August: Glutamat – der Gefräßig-Macher (2009)

16. August: Phaseolin: Vom Abwehrstoff zur Abspeckhilfe (2005)

14. August: Der etwas andere Lebensmittel-Skandal: Angeblich „gesunde“ Ernährung macht krank (2004)

12. August: Die Milch macht´s – aber was? (2003)

9. August: Gesunde Ernährung: im Fettnäpfchen (2002)

7. August 2019: Ess- und Trinksprüche (ab-)klopfen (1997)

5. August 2019: Vom fettmachenden Fett und den schlankmachenden Fettersatzstoffen. Ein Wintermärchen. (1996)

2. August 2019: Vom Sinn des Kochens: die Kartoffel (1995)

1. August 2019: Schluss mit den Ernährungsmärchen! (1994)

 

31. August 2019
von Ulrike Gonder
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Jubiläumsartikel: Die Weisheit des Körpers

Ulrike GonderDie Welt scheint geteilt: in Anhänger alternativer Kostformen und Otto-Normal-Esser, in Menschen, die zum Heilpraktiker gehen und solche, die dem herkömmlichen Doktor mehr vertrauen. Wer hat recht? Die klassische Medizin oder die so genannte Komplementärmedizin? Wer wird schneller gesund, der homöopathisch oder der konservativ behandelte Patient? Die Antwort fällt salomonisch aus: Nach Ansicht des britischen Gesundheits-Psychologen Michael E. Hyland brauchen wir beides. „Die Annahmen der konventionellen Medizin und der komplementären Therapien sind beide korrekt,“ schreibt der Professor der Universität Plymouth im Wisenschaftsmagzin New Scientist.

„Alles Unsinn,“ vermelden die Skeptiker, während die Anhänger alternativer Therapien auf die erreichten Erfolge verweisen. Professor Hyland ging nicht den üblichen, polarisierenden Weg, sondern fragte sich, wie die widersprüchlichen Sichtweisen zu überbrücken wären. Indem er die Unterschiede beider Denkweisen systematisch untersuchte, fand er Verbindendes. Damit schuf er die Basis dafür, künftig die Stärken beider Systeme nutzen zu können.

Maschine oder System?

Die klassische Medizin betrachtet den Körper als eine Art Maschine, ähnlich wie einen Computer oder einen Jumbo Jet. Krankheit entspricht demnach einem defekten Teil, das repariert, beseitigt oder ersetzt werden muss. Alternative Sichtweisen gehen dagegen davon aus, dass der gesunde Körper ein ausbalanciertes System darstellt, dass Krankheiten durch Störungen dieser Balance entstehen und den Organismus als Ganzen erfassen. Diese Philosophie galt bislang als unwissenschaftlich. Allerdings ist offensichtlich, dass der Körper keine Maschine ist, sondern – wie alle biologischen Systeme – aus einer Vielzahl von miteinander koordinierten Netzwerken besteht. Wie sonst wäre (Über-)Leben möglich, die Anpassung an eine sich ständig ändernde Umwelt?

Maschine und System!

Die moderne Physik zeigt uns, dass diese Sichtweise ganz und gar nicht unwissenschaftlich sein muss. Ihre aktuellen Theorien zur Komplexität lehren, dass die Funktion von Netzwerken sich nicht allein durch das Studium ihrer Einzelteile erklären lässt, sondern aus dem Gesamtsystem erwächst. Der altbekannte Satz, wonach das Ganze mehr ist als die Summe der Teile, drängt sich unwillkürlich auf. Natürlich lässt sich der Körper in Teile zerlegen, die heute bereits sehr erfolgreich ersetzt und repariert werden können. Doch wir dürfen die andere Sicht der Dinge nicht aus den Augen verlieren, zumal die Genetiker bereits an der Manipulation unserer „Baupläne“ arbeiten. Wir sollten, bevor Menschen geklont und mit Hilfe von Gen-Therapien behandelt werden, den Körper nicht nur als Maschine, sondern auch als komplexes System verstanden haben. Sonst sind böse Überraschungen vorprogrammiert. Unser Gehirn ist ein Paradebeispiel für ein hochkompliziertes Netzwerk, denn es ist in der Lage, ständig viele Dinge gleichzeitig zu verrichten. Ähnliches gilt für unseren Hormonhaushalt und das Immunsystem. So weit, so gut. Doch für Professor Hyland ist damit nicht Schluss. Er bezeichnet den ganzen Körper als „erweitertes Netzwerk“, das sowohl sich selbst reguliert – beispielsweise die Körpertemperatur und den Blutzuckerspiegel – als auch seine Umwelt durch sein Verhalten beeinflusst und gestaltet.

Zweierlei Krankheiten …

Wenn wir beide Sichtweisen der Körperfunktionen – als Maschine und als System – zulassen, sind auch zwei Arten der Krankheitsentstehung denkbar: Die spezifische Pathologie der klassischen Medizin einerseits, die sich auf klare Symptome und messbare „Fehlfunktionen“ beruft. Auf der anderen Seite gibt es eine ganze Reihe von unspezifischen Symptomen und objektiv nicht „fassbaren“ Krankheiten. Was spricht dagegen, sie als systemische Pathologien, als Störungen des komplexen Netzwerks, zu verstehen? Sie äußern sich nicht durch ein defektes Teil, wie etwa ein gebrochenes Bein, sondern durch einen Fehler in der Beziehung der Teile untereinander.

Um das Entstehen von Krankheit aus systemischer Sicht begreifen zu können, ist neben der Selbstregulation auch eine Lernfähigkeit des Organismus vonnöten. Professor Hyland nimmt an, dass der Organismus nur durch Lernfähigkeit immer komplexer werden und sich zu einem „intelligenten Körper“ entwickeln konnte, der auf Störungen mit einer angemessenen Anpassung reagiert. So kann das System auch unter unvorhersehbaren Änderungen der Umweltbedingungen stabil gehalten werden. Krankheit entsteht erst dann, wenn die Selbstregulation aufgrund „falsch eingestellter Parameter“ zu einem schlimmeren Zustand führt als vorher. Genau hier befindet sich eine Schnittstelle zwischen der konventionellen und der komplementären Medizin: Die fehlerhafte Regulation kann zu spezifischen Symptomen führen, während umgekehrt spezifische Symptome die Störung des Netzwerks verstärken kann.

Asthma ist ein gutes Beispiel für das Dilemma: Die Entzündung der Atemwege und die Übererregbarkeit des Immun-Systems stellen eine spezifische Symptomatik dar. Doch warum das Immun-System überreagiert, wissen wir nicht. Zwar sind einzelne Mosaiksteine des Geschehens bekannt, wie zum Beispiel bestimmte Gene, übertriebene Hygiene oder Umweltgifte. Doch wie das alles miteinander zu einer Fehlreaktion des Gesamt-Systems führt, ist nach wie vor rätselhaft. Wie bei vielen anderen chronischen Krankheiten kann die klassische Medizin meist nur die Symptome unterdrücken. Dagegen erreichen komplementäre Verfahren manchmal langfristige und tiefergreifende Verbesserungen. Vielleicht liegt es daran, dass sie auf der „Netzwerk-Ebene“ eingreifen: Sie stören das System Körper erneut und geben ihm so die Möglichkeit, die fehlerhafte Regulation zu korrigieren, wieder heil(er) zu werden. Sollte sich die Hypothese vom intelligenten Körper als richtig erweisen, bietet der individuelle Lebensstil – und damit unter anderem auch die Ernährung – einen außerordentlich wichtigen Faktor der Komplementärmedizin.

Vom naturwissenschaftlichen Standpunkt ist das Modell des „intelligenten Körpers“ im Moment nichts weiter als eine Hypothese. Professor Hyland wünscht sich daher mehr Forschung auf diesem Gebiet, insbesondere was das Zusammenspiel der verschiedenen Einflussfaktoren (z.B. Ernährung, Bewegung, Licht, Psyche) auf den Körper und seine Funktionen angeht. Denn wenn es die Mediziner den Physikern gleichtun und zur Testung ihrer Hypothesen neue Gedankenmodelle zulassen, dann kann die komplementäre Medizin auch zum Gegenstand „richtiger“ Forschung werden.

… erfordern zweierlei Therapien

Anstatt die Gräben zwischen beiden Medizinformen zu vertiefen, plädiert Hyland einstweilen dafür, zwischen „handfesten“ Therapien für spezifische Symptomatiken und „sanften“ Therapien für systemische Störungen zu unterscheiden. Beides sei richtig und wichtig und sollte gezielt eingesetzt werden: Die „handfesten“ Maßnahmen für „zerbrochene Teile“, die „sanften“ Methoden, um dem intelligenten Körper zu helfen, wieder eine gesunde Balance zu finden.

Natürlich gibt es Überschneidungen: Manche Methoden der klassischen Medizin funktionieren, ohne dass man wüsste, warum. Andererseits werden in der komplementären Medizin Heilpflanzen eingesetzt, die ganz spezifische Effekte haben. Dennoch liegen die Unterschiede klar zutage. Daher wird die konventionelle Medizin nach Hylands Überzeugung niemals alle unsere Leiden heilen können.

Viele der oben erwähnten Gedanken Hylands lassen sich problemlos auf die Ernährungswissenschaft übertragen, denn auch hier toben die „Grabenkämpfe“. Wäre es ein rein akademischer Streit, könnte man es dabei belassen. Doch der Streit ist öffentlich, mit der Folge, dass die Menschen durch widersprüchliche Lehren zunehmend verunsichert sind. Statt die Gräben zu vertiefen, könnten wir – Hylands Modell folgend – versuchen, die Unterschiede zu verstehen, um in der Zusammenschau die Stärken der jeweiligen Schule zu nutzen.

Wie kommen wir dahin? Als erstes sollten wir uns klarmachen, dass das bislang vorherrschende Nährstoffdenken niemals ausreichen wird, um die Ernährung umfassend zu verstehen. Um Menschen angemessen beraten zu können, müssen wir das komplexe System Ernährung in seiner Gesamtheit verstehen. Wir müssen erkennen, was es in gesunder Balance hält, wie es auf Störungen von außen und innen reagiert und wie Imbalancen sinnvoll ausgeglichen werden können. Wir dürfen nicht mehr nur nach dem Wert und den Wirkungen einzelner Nähr-Substanzen fragen und Nahrungsmittel nicht nur nach ihren Inhaltsstoffen bewerten. Wir müssen die komplexen (lebendigen) Systeme „Lebensmittel“ und „Mensch“ verstehen. Wir müssen lernen, nach der Weisheit des Körpers zu suchen, denn auch bei der Ernährung dürfen wir getrost davon ausgehen, dass es sie gibt – und dass sie womöglich mehr zur Gesunderhaltung des Einzelnen beiträgt als alle populären Ernährungsratgeber zusammen.

Quelle: Hyland, ME: The intelligent body. New Scientist vom 26.5.2001/S.32-33

Erschien erstmals vor vielen Jahren auf www.interfit.de, einer Seite, die damals jemand anderem gehörte.