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Ketogen gegen Demenz

Es gibt viele Möglichkeit, sich fit im Oberstübchen zu halten. Doch spätestens wenn die kognitiven Fähigkeiten nachlassen oder wenn eine demenzielle Erkrankung begonnen hat, ist es höchste Zeit, dem Gehirn ein paar Ketone zur Verfügung zu stellen! Das zeigt jetzt erstmals auch eine randomisierte, einfach blinde Crossover-Studie!

Energiedefizit ausgleichen

Schon lange bevor sich eine Alzheimer-Erkrankung durch Symptome bemerkbar macht, fehlt es dem Gehirn an „Brennstoff“, weil die Zuckerverwertung immer mehr nachlässt. Daher untersuchen etliche Arbeitsgruppe, unter anderem jene um Prof. Stephen Cunnane in Kanada, ob sich das Gehirn mithilfe von Ketonen wieder besser bzw. ausreichend mit Energie versorgen lässt. Was wir heut schon wissen ist, dass Ketone  auch dann noch verwertet werden, wenn der Zuckerstoffwechsel des Gehirns bereits erheblich gestört ist.

Eine neue neuseeländische Studie zeigt nun erstmals randomisiert, dass dieser Ansatz sehr vielversprechend ist: Im Vergleich zu einer Phase mit der üblicherweise empfohlenen fettarmen Ernährung erlebten 21 Patienten mit diagnostizierter Alzheimer-Demenz eine signifikante und klinisch relevante Verbesserung ihrer Alltagsfunktionen und ihrer Lebensqualität – „in einem Ausmaß, das mit Medikamenten nur selten erreicht wird“, so die Autoren der Studie.

Keto versus fettarm

26 Patienten und Patientinnen mit einer Alzheimer-Diagnose wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt, die sich – unterstützt durch ihre Angehörigen – für jeweils 12 Wochen einmal ketogen und einmal nach den offiziellen Regeln fettarm ernährten. Zwischen beiden Testphasen lagen 10 Wochen mit üblicher Ernährung. Neben einer Ernährungsschulung erhielten die Probanden einmal Rezepte und die neuseeländischen Empfehlungen für gesunde Ernährung, die ähnlich wie bei der hiesigen DGE noch immer auf eine kohlenhydratreiche, fettarme Kost setzen, und einmal Rezepte und Empfehlungen für eine modifizierte Atkins-Diät (MAD). Bei dieser Form der ketogenen Ernährung ist die Proteinzufuhr nicht beschränkt. Die nötige deutliche Reduktion der Kohlenhydrate und die Steigerung der Fette wurde über Lebensmittelempfehlungen erreicht.

 

Aufgrund der einfachen und erschwinglichen Rezepte, die auf die Bedürfnisse von Alzheimer-Patienten abgestimmt waren (d. h., auch Süßspeisen enthielten), gelang es 21 Teilnehmern (81 %) die ketogene Phase einzuhalten und in dieser Zeit eine physiologische Ketose zu erreichen (ca. 1 mmol BHB/l). Die Kennzahlen des Fettstoffwechsels entwickelten sich überwiegend positiv, Nebenwirkungen waren mild und vorübergehend.

Mein Senf dazu

Dies ist zwar „nur“ eine kleine Studie, aber eine randomisierte. Sie vergleicht die üblicherweise empfohlene fettarme Ernährung mit einer leicht durchführbaren ketogenen Ernährung. Letztere brachte den Patienten eindeutige, klinisch relevante Vorteile. Da eine Verbesserung der Alltagsfunktionen und der Lebensqualität für die Patienten und für die Angehörigen bzw.Pflegenden von großer Bedeutung ist, halten die Autoren die ketogene Diät (hier eine MAD) für Menschen mit einer Alzheimer-Erkrankung für vielversprechend. Dem schließe ich mich an: Da Ketone in der hier gebildeten Menge bis zu 15 % des Energieverbrauchs des Gehirns decken, können sie einen Großteil der „Lücke in der Stromversorgung“ des Gehirns schließen, die bei beginnender Alzheimer-Demenz 20 – 25 % betragen kann.

Quellen
Phillips, MCL et al., Alzheimer’s Research & Therapy (2021) 13:51. Wer sich für die Hintergründe und die bisherige Forschung interessiert, dem sei auch mein Buch „Essen! Nicht! Vergessen!“ empfohlen.

Ulrike Gonder

Diplom Oecotrophologin, Freie Wissenschaftsjournalistin, neugierig, kritisch, undogmatisch

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