Überspringen zu Hauptinhalt

Keto für gesunde Frauen gefährlich?

Die ketogene Ernährung als eine fettbetonte Ernährungsweise stößt auf viele Vorbehalte. Zumal bei keto in der Regel weder von tierischen Fettquellen noch von gesättigten Fettsäuren abgeraten wird. Eine schwedische Studie scheint jetzt den Skeptikern recht zu geben, denn bei jungen, gesunden Frauen, veränderten sich praktisch alle Kennzahlen des Fettstoffwechsels ungünstig, nachdem sie sich 4 Wochen lang ketogen ernährt hatten. Spannende Geschichte …

Was war passiert? Um die Auswirkungen einer ketogenen Ernährung auf junge gesunde Frauen zu untersuchen, rekrutierten die Wissenschaftler an der Universität in Umeå 24 Studentinnen, die jeweils 4 Wochen lang nach den Vorgaben der Schwedischen Ernährungsgesellschaft (44 En% Kohlenhydrate, 33 En% Fett, 19 En% Protein) essen sollten und 4 Wochen lang streng ketogen (4 En% Kohlenhydrate, 77 En% Fett, 19 En% Protein). Damit das klappt, bekamen sie während der „Diätphasen“ alle Mahlzeiten gestellt. Zwischen den beiden Testphasen, die jede Probandin durchlief, lagen 15 Wochen mit ihrer gewohnten Ernährung. 17 Studentinnen beendeten die Studie, es gab also 7 Ausfälle, alle während der Keto-Phase.

Nach den 4 ketogenen Wochen hatten sich praktisch alle Fettstoffwechselwerte der jungen Frauen negativ verändert, vor allem auch das LDL-Cholesterin, das Apo B und die kleinen, dichten LDL-Partikel; das HDL war nur wenig gestiegen. Die Autoren warnen daher gesunde Frauen vor einer solchen (!) ketogenen Ernährung, insbesondere vor einem erhöhten Risiko für Arteriosklerose aufgrund des erhöhten LDL-Cholesterins.

Mein Senf dazu

Auffällig ist, dass diese Studie so viele ungünstige Veränderungen fand, die – mit Ausnahme eines erhöhten LDL – in anderen Studien nicht oder nur vereinzelt beobachtet wurden. Im Fall des LDL-Cholesterins könnte es daran liegen, dass es sich um gesunde Probandinnen handelte, bei denen eine LDL-Erhöhung nach einer massiven Steigerung der Zufuhr gesättigter Fettsäuren schlichtweg physiologisch, also normal und nicht krankhaft sein kann (siehe Meldung vom 1.3.2021).

Die auffälligen Ergebnisse könnten auch daher kommen, dass die hier eingesetzte ketogene Ernährung extrem zusammengesetzt war, denn die Fette bestanden knapp zur Hälfte aus gesättigten Fettsäuren (33 % der Tageskalorien). Zudem lieferte sie weniger Ballaststoffe als die Kontrollkost und nur sehr wenige Kohlenhydrate (max. 25 g/Tag bzw. 4 % der Tageskalorien). Die ersten beiden Punkte wirken meiner Meinung nach konstruiert. Und beim Kohlenhydratgehalt muss man sich fragen, warum gesunde Menschen eine derart strenge ketogene Ernährung überhaupt einhalten sollten? Dafür gibt es keinen Grund.

Auffällig ist auch, dass es Ausfälle nur während der Keto-Phasen gab, was an einer nicht so guten Betreuung der Teilnehmerinnen gelegen haben könnte. Ich denke außerdem, dass die vierwöchige Dauer der ketogenen Ernährung zu kurz war, um aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen, zumal die Damen unter keto in 4 Wochen 3 kg abgenommen hatten. Schon das kann zu vorübergehenden Veränderungen im Fettstoffwechsel führen. Man hätte noch einen oder zwei Monaten dranhängen sollen und dann nochmal nachmessen.

Die ungünstigen Ergebnisse könnten natürlich auch daher kommen, dass eine (derart strenge) ketogene Ernährung für junge gesunde Frauen nicht geeignet ist. Doch dazu müssten weitere Studien durchgeführt werden. Nach diesem Experiment pauschal vor keto zu warnen, ist meines Erachtens jedenfalls nicht gerechtfertigt.

Einstweilen würde ich gesunden Frauen, die keto einfach mal ausprobieren wollen, eine weniger strenge und besser zusammengesetzte Variante empfehlen.

Quelle

Burén, J et al., Nutrients 2021;13:814

Sie finden die ketogene Ernährung oder die low-carb-Ernährung klasse, haben aber ein Problem damit, mehr Fett zu essen? Dann sind Sie in meinen 5-tägigen Mini-Kurs Fette Glücksgefühle“ goldrichtig. Er verhilft Ihnen zu den ersten Schritten auf Deinem Weg zum entspannten low-carb/healthy-fat Genuss. Klicken Sie doch mal rein!

 

 

Ulrike Gonder

Diplom Oecotrophologin, Freie Wissenschaftsjournalistin, neugierig, kritisch, undogmatisch

Dieser Beitrag hat 0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

An den Anfang scrollen