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Verzweifelt gesucht: Imitate tierischer Fette

Pflanzenbasierte Fleisch- und Milchimitate wollen offenbar nicht so lecker schmecken wie die tierischen Originale. Andererseits ist es erklärtes Ziel von Unilever, künftig mit diesen Lebensmittel-Imitaten (Fake-Foods) Umsätze in Höhe von 1 Milliarde Euro zu erzielen – jährlich! So ein Dilemma aber auch. Der Ausweg: Man beauftragt Start-ups, Tierische-Fett-Imitate zu entwickeln, z. B. Bacon-Imitate, die sich in der Pfanne so verhalten wie echter Schweinebauch. Dem französischen Start-up 77 Foods ist nun offenbar ein Durchbruch gelungen …

Verursacht „irren Jieper“

Unserer Gesundheit und der Umwelt zuliebe wird uns jetzt wohl bald ein Bauchspeck-Nachbau der französischen Jungunternehmer in Unilever und Kellogg´s Produkten angeboten, sobald es gelungen ist, ihn preiswerter herzustellen. Der „Pflanzen-Bacon“ soll von der Struktur, vom Geschmack und vom Verhalten beim Erwärmen dem Original sehr nahe kommen. Denn Fette und fettreiche Lebensmittel scheinen die Lösung für die derzeitige „Geschmackslücke“ (sensory gap) pflanzlicher Imitate zu sein. Das Imitat soll so gut sein, dass seine Entwickler glauben, es sei „insanely craveable“, führe also zu einem irren Jieper, einem wahnsinnigen Verlangen nach den entsprechenden Produkten.

Na, das ist ja genau, was wir brauchen in unserer Welt des Überflusses: irren Jieper auf Lebensmittelimitate, die im übrigen aus einer Emulsion aus Sonnenblumen- und  Rapsöl mit Wasser besteht, stabilisiert mit Wurzel- und Algenbestandteilen. Ach ja, und texturiertem Sojaprotein natürlich. So kann man mit einem hohen Proteinanteil werben, aufgrund der pflanzlichen Fasern mit Ballaststoffen, die das Original nicht hat, und aufgrund der verwendeten Öle mit weniger gesättigten Fettsäuren, was bedauerlicherweise noch immer als „Gesundheitsargument“ herhalten muss. Auf den hohen Omega-6-Anteil des Sonnenblumenöls wird natürlich nicht hingewiesen.

Schon spannend, was uns da alles serviert werden soll unter dem Deckmäntelchen des Umwelt- und Gesundheitsschutzes. Das eigentliche Ziel ist jedoch – neben der Umsatzsteigerung der Big Players – dass wir in 25 Jahren kaum noch Fleisch tierischen Ursprungs zu uns nehmen, wovon einer der 77-Foods-Gründer überzeugt ist. Aber ist das ein lohnenswertes Ziel? Wer hat die Auswirkungen des Verzehrs solcher Imitate auf den Menschen und die Umwelt untersucht? Wollen wir wirklich in Zukunft nur noch Fake-Food essen?

Quelle: News von Foodnavigator vom 17. März 2021

Ulrike Gonder

Diplom Oecotrophologin, Freie Wissenschaftsjournalistin, neugierig, kritisch, undogmatisch

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